Ambulant betreute Wohngruppe oder Pflegeheim: Welche Wohnform passt zu meinen Eltern?

4 Personen sitzen am Tisch und spielen ein Spiel, eine Pflegerin steht vor dem Tisch und schenkt Getränke ein

Ambulant betreute Wohngruppe oder Pflegeheim: Welche Wohnform passt zu meinen Eltern?

Ambulant betreute Wohngruppe oder Pflegeheim: Welche Wohnform passt zu meinen Eltern?

Wenn die eigenen Eltern im Alter zunehmend Unterstützung oder Pflege benötigen, stehen Familien oft vor einer wichtigen Frage: Welche Wohn- und Versorgungsform passt zu ihrer persönlichen Situation und ihren Bedürfnissen?

 

Nicht immer lässt sich die Versorgung in der bisherigen Wohnung dauerhaft aufrechterhalten. Vielleicht steigt der Pflegebedarf, die Sicherheit im Alltag wird schwieriger oder die Angehörigen können die notwendige Unterstützung nicht mehr allein leisten.

Dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zwei davon sind das vollstationäre Pflegeheim und die ambulant betreute Wohngruppe. Beide Wohnformen bieten professionelle Unterstützung und können Menschen auch bei höherem Pflegebedarf ein sicheres Zuhause bieten. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Organisation, ihrem Wohnkonzept und der Gestaltung des Alltags.

Welche Wohnform die richtige ist, hängt deshalb nicht allein vom Pflegebedarf ab, sondern auch von den persönlichen Wünschen, Gewohnheiten und Bedürfnissen der jeweiligen Person.

Das Pflegeheim: Umfassende Versorgung und professionelle Pflege

Ein Pflegeheim ist eine vollstationäre Wohn- und Pflegeeinrichtung. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben dauerhaft in der Einrichtung und erhalten dort umfassende Unterstützung in den Bereichen Pflege, Betreuung, Verpflegung und Wohnen.

Die Versorgung wird durch professionelle Pflege- und Betreuungskräfte organisiert und an den individuellen Bedarf der Bewohnerinnen und Bewohner angepasst.

  • Umfassende Versorgung: Pflege, Betreuung, Verpflegung und weitere Leistungen werden innerhalb der Einrichtung organisiert.
  • Sicherheit und Verlässlichkeit: Auch bei einem hohen Pflege- oder Unterstützungsbedarf steht professionelle Hilfe zur Verfügung.
  • Struktur im Alltag: Ein organisierter Tagesablauf kann insbesondere dann hilfreich sein, wenn im Alltag zunehmend Unterstützung benötigt wird.
  • Gemeinschaft und Angebote: Je nach Einrichtung gibt es gemeinsame Mahlzeiten, Beschäftigungsangebote, Veranstaltungen und Möglichkeiten zum sozialen Austausch.
  • Individuelle Betreuung: Auch in einer stationären Einrichtung steht die einzelne Person mit ihren persönlichen Bedürfnissen und ihrem Unterstützungsbedarf im Mittelpunkt.

Ein Pflegeheim kann insbesondere dann eine geeignete Wohnform sein, wenn eine umfassende pflegerische Versorgung erforderlich ist und eine dauerhaft organisierte Versorgung in der eigenen Wohnung nicht mehr ausreichend oder möglich ist.

Die ambulant betreute Wohngruppe: Gemeinsam wohnen, individuell leben

Ambulant betreute Wohngruppen verbinden das eigene Zuhause mit einer gemeinschaftlichen Wohnform. Die Bewohnerinnen und Bewohner leben in einer überschaubaren Gruppe und verfügen gleichzeitig über einen privaten Rückzugsort.

Der Alltag wird gemeinsam gestaltet und orientiert sich möglichst an den Wünschen und Gewohnheiten der Bewohnerinnen und Bewohner.

  • Eigener Wohn- und Rückzugsbereich: Jede Person hat ein eigenes Zimmer, mit eigenem Bad, das individuell gestaltet und mit persönlichen Möbeln eingerichtet werden kann.
  • Gemeinschaftliches Wohnen: Küche, Wohn- und Essbereiche werden gemeinsam genutzt. Dadurch entsteht Raum für Begegnung und gemeinsames Leben.
  • Individueller Alltag: Gewohnheiten, persönliche Vorlieben und der eigene Tagesrhythmus können bei der Gestaltung des Alltags berücksichtigt werden.
  • Professionelle Unterstützung: Pflege- und Betreuungsdienste übernehmen die notwendige Unterstützung – angepasst an den jeweiligen individuellen Bedarf.
  • Selbstbestimmung: Die Bewohnerinnen und Bewohner bestimmen selbst über ihren Alltag und das Zusammenleben in der Wohngruppe. Angehörige können unterstützend zur Seite stehen und bei Bedarf begleiten.

Eine ambulant betreute Wohngruppe kann insbesondere für Menschen interessant sein, die nicht mehr allein zu Hause leben können oder möchten, sich aber eine überschaubare und gemeinschaftliche Wohnform wünschen.

Beide Wohnformen haben ihren eigenen Charakter

Die Entscheidung zwischen Pflegeheim und ambulant betreuter Wohngruppe sollte nicht als Entscheidung zwischen „besser“ und „schlechter“ verstanden werden. Beide Wohnformen verfolgen unterschiedliche Konzepte und können – je nach persönlicher Situation – die passende Lösung sein.

Kriterium Ambulant betreute Wohngruppe Pflegeheim
Wohnform Überschaubare Wohngemeinschaft mit privaten und gemeinschaftlich genutzten Bereichen Eigenständiger Wohnbereich innerhalb einer stationären Einrichtung
Privatsphäre Eigenes Zimmer, mit eigenem Bad und individueller Gestaltung Eigenes Zimmer bzw. Wohnbereich, individuell gestaltbar
Gemeinschaft Kleingruppe mit gemeinsam genutzten Wohn- und Küchenbereichen Gemeinschaftsbereiche, Mahlzeiten und Angebote der Einrichtung
Alltag Gemeinschaftliche Gestaltung mit Orientierung an den individuellen Gewohnheiten Strukturierter Tagesablauf mit individuell abgestimmter Unterstützung
Pflege & Unterstützung Ambulante Pflege und Betreuung entsprechend des individuellen Bedarfs Vollstationäre Pflege und Betreuung innerhalb der Einrichtung
Angehörige Je nach Konzept Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung Angehörige bleiben wichtige Bezugspersonen und können sich in den Alltag einbringen
Geeignet für Menschen, die gemeinschaftliches Wohnen mit einem hohen Maß an persönlicher Gestaltung verbinden möchten Menschen, die eine umfassende stationäre Versorgung und Betreuung benötigen

 

Welche Wohnform passt zu meinen Eltern?

Bei der Entscheidung können sich Angehörige gemeinsam mit ihren Eltern unter anderem folgende Fragen stellen:

  1. Wie hoch ist der aktuelle Unterstützungs- und Pflegebedarf?
    Welche Unterstützung wird heute benötigt und ist absehbar, dass sich der Bedarf verändern wird?
  2. Wie möchten meine Eltern wohnen?
    Ist ihnen eine eigene Wohnung weiterhin besonders wichtig oder können sie sich ein Leben in einer Gemeinschaft vorstellen?
  3. Wie wichtig sind Gemeinschaft und gemeinsames Wohnen?
    Wünschen sie sich mehr Gesellschaft im Alltag oder genießen sie eher ihre Ruhe und Privatsphäre?
  4. Wie soll der Alltag gestaltet sein?
    Welche Gewohnheiten, Rituale und persönlichen Wünsche sollen auch in der neuen Wohnsituation erhalten bleiben?
  5. Welche Unterstützung benötigen die Angehörigen?
    Was können Familie und Freunde leisten – und wo wird professionelle Unterstützung benötigt?
  6. Welche Wohnform gibt Sicherheit und ein gutes Gefühl?
    Neben dem Pflegebedarf spielt auch die persönliche Wahrnehmung eine wichtige Rolle. Entscheidend ist, dass sich die eigenen Eltern in ihrem neuen Zuhause wohl und gut aufgehoben fühlen.

Eine Entscheidung, die individuell getroffen werden sollte

Der Wechsel in eine neue Wohnform ist für viele Menschen und ihre Familien ein großer Schritt. Deshalb gibt es nicht die eine richtige Lösung für alle.

Ein Pflegeheim kann die passende Wohnform sein, wenn eine umfassende stationäre Versorgung benötigt wird. Eine ambulant betreute Wohngruppe kann eine gute Möglichkeit sein, wenn gemeinschaftliches Wohnen, ein persönlicher Rückzugsbereich und eine individuelle Alltagsgestaltung miteinander verbunden werden sollen.

Welche Wohnform passt, hängt letztlich von der persönlichen Situation, dem Pflegebedarf und den Wünschen Ihrer Eltern ab.

Am besten ist es, verschiedene Möglichkeiten kennenzulernen, Fragen zu stellen und sich gemeinsam ein Bild davon zu machen, welche Wohnform sich für die eigene Familie richtig anfühlt.

Denn im Mittelpunkt sollte immer stehen: Wo können Ihre Eltern gut, sicher und ihren Bedürfnissen entsprechend leben?