Rückblick | Deutsche Debatte um Israel-Palästina | 07.06.2026

Israel-Palästina Debatte

Rückblick | Deutsche Debatte um Israel-Palästina | 07.06.2026

Die „deutsche Staatsraison“ hat eigentlich der aktuellen israelischen Opposition zu gelten

Mit klugen Worten und großem Engagement hat der Leiter des Anne-Frank-Hauses Frankfurt, Prof. Dr. Meron Mendel, jetzt im überfüllten Forum St. Peter in Oldenburg die Debatte um den Israel-Palästina-Konflikt bereichert. Ein breites Bündnis aus der Oldenburg Stadtgesellschaft hatte ihn für diese dritte Dialogveranstaltung auf der Suche nach Friedensperspektiven für die Menschen im Nahen Osten als Referenten gewinnen können.

Überaus kenntnisreich und mit großer Empathie für die Menschen auf beiden Seiten der Konfliktlinie legte der in Israel geborene Pädagoge und Historiker dar, dass die in der aktuellen aufgeheizten Debatte vielfach beschworene deutsche Staatsraison in Angela Merkels Rede vor der Knesset am 18.03.2008 den Kräften in Israel galt, die sich aktiv für eine Zwei-Staaten-Lösung und eine friedliche Beilegung des jahrzehntelangen Konfliktes eingesetzt hatten. Keinesfalls galt sie – und sollte sie auch noch heute gelten – aber den rechtsextremen Kräften in der heutigen israelischen Regierung oder den völkerrechtswidrig handelnden gewalttätigen Siedlern im Westjordanland. Deren Handeln sei grausam gegenüber der palästinensischen Bevölkerung, aber gleichzeitig auch schädlich für die Menschen in Israel, die in ständiger Angst um ihre Sicherheit leben müssten.

„Kein Frieden ist keine Option“ antwortete der Referent auf eine Frage aus dem engagiert mitdiskutierenden Publikum, wie denn ein Friedensplan für das Land aussehen könnte. Das Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer bietet nach Aussage von Professor Mendel ausreichend Lebensraum und Ernährungsgrundlagen, um 7,5 Millionen Juden und ebenso viele Palästinenser in Frieden zu beherbergen. Grundlage dafür sei zunächst die gegenseitige Anerkennung des Lebensrechts der jeweils anderen Gruppe.

Insgesamt hat der wohltuend differenzierende Vortrag von Prof. Dr. Meron Mendel einen wertvollen Beitrag dazu geleistet, die Komplexität des Themas zu würdigen und gleichzeitig Handlungsoptionen aufzuzeigen. Gerade durch seine Mischung aus faktenreicher Argumentation und anekdotischen Einflechtungen gelang es dem Referenten, seinem Standpunkt eine hohe Glaubwürdigkeit zu verleihen.  Es war ein rundum gelungener Vortrag mit sich anschließendem direkten Austausch der Zuhörenden untereinander.

Bericht: Beate Ludwig-Henkel, Peter Meiwald und Klaus Hagedorn